Kabelquerschnitt für lange Leitungen
Jenseits von rund 20 Metern ist die Leitung, die den Strom trägt, nicht mehr die Leitung, die der Verbraucher braucht. Wie der Spannungsfall den Querschnitt setzt.
Nachrechnen: Kabelquerschnitt
Zwei verschiedene Fragen
Beim Querschnitt werden zwei Fragen gern vermischt. Hält die Leitung den Strom aus? ist Belastbarkeit: Erwärmung, Isolierstoff, Verlegeart, Häufung im selben Rohr. Kommen beim Verbraucher noch genug Volt an? ist der Spannungsfall — und der hängt an etwas, das der Belastbarkeit völlig gleichgültig ist: an der Länge.
Beim Steckdosenstromkreis über acht Meter gewinnt die erste Frage, an die zweite denkt niemand. Legen Sie 35 m in die Garage oder zur Wallbox, dreht es sich um: die Leitung, die 16 A locker trägt, lässt am Ende zu wenig Spannung übrig — und das sieht nach keinem Installationsfehler aus.
3 % sind 6,9 V
DIN 18015-1 nennt für Wohngebäude 3 % Spannungsfall zwischen Zählerplatz und Verbrauchsmittel; DIN VDE 0100-520 (Anhang G) empfiehlt 3 % für Beleuchtung und 5 % für übrige Stromkreise ab Übergabepunkt. Beides sind Empfehlungen — verbindlich strenger können die TAB des Netzbetreibers sein.
Rechnen Sie den Prozentwert in Volt um, bevor Sie darüber streiten: 3 % von 230 V sind 6,9 V, und zwar für Hin- und Rückleiter zusammen. Bei 400 V dreiphasig ist dieselbe Leistung deutlich günstiger, weil weniger Strom fließt und der Faktor √3 statt 2 wirkt — der übliche Grund, eine lange Leitung zur Wallbox dreiphasig zu legen.
Der Fall, durchgerechnet
16 A am Ende einer 35 m langen Kupferleitung bei 230 V einphasig brauchen 4 mm², um innerhalb von 3 % zu bleiben: der Spannungsfall liegt dann bei 4,8 V, also 2,1 %. Mit 2,5 mm² wären es rund 7,7 V oder 3,4 % — strombelastbar völlig in Ordnung, für die Empfehlung aber zu viel.
Zwei Merksätze: doppelte Länge, doppelter Fall. Halber Strom, halber Fall.
Was die Rechnung nicht prüft
Sie bemisst nach Spannungsfall und hört dort auf. Verlegeart, Umgebungstemperatur, Häufung und die zulässige Betriebstemperatur der Klemmstellen kennt sie nicht — genau die entscheiden über die Strombelastbarkeit, und sie sind auf keinen zwei Baustellen gleich. Ein größerer Querschnitt wegen der Länge berechtigt außerdem nicht zu einer größeren Sicherung: die schützt weiterhin die kleinste Ader im Stromkreis.
Nach Spannungsfall bemessen, die Belastbarkeit für die tatsächliche Verlegeart prüfen, den größeren der beiden Werte nehmen.
Zuletzt geprüft: 13. September 2026